Berg Haguro

Heimat von Dewa Sanzans Yamabushi

Kerstin Yamane   - 4 min read

Der Berg Haguro wird von Anhängern der japanischen Shinto-Religion und von Shugendo, einer alten japanischen Tradition der Bergverehrung, deren Praktizierende allgemein als Yamabushi bezeichnet werden, als heilig angesehen. Sie nehmen ihren Glauben sehr ernst und pilgern jedes Jahr zum Berg, um ihre Gottheiten anzubeten.

Vor allem im Sommer trifft man oft auf Pilger, die man gut an ihrer weißen Kleidung erkennt und welche von Yamabushi Priestern geleitet werden, die ebenfalls traditionelle weiße Gewänder tragen. Das wohlklingende Geräusch eines Muschelhorns, das von den Priestern meisterhaft bespielt wird, kündigt bereits ihr Kommen an.

Im Ideha Cultural Museum kann man auch selbst versuchen einmal eine Melodie auf diesem Muschel-Instrument zu spielen. Es befindet sich im Dorf Toge am Fuße des Berges Haguro, wo du alles über die Geschichte und Kultur von Dewa Sanzans Yamabushi erfahren kannst. Der Berg Haguro ist einer von den drei Dewa Sanzan (die drei heiligen Berge von Dewa). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet in der heutigen Präfektur Yamagata so genannt. Die beiden anderen Berge, der Berg Gassan (1.984 m) und der Berg Yudono (1.500 m), befinden sich in der Nähe. Japanische Pilger kommen in Scharen, um die Gottheiten dieser Berge zu verehren.

Es wird gesagt, dass Dewa Sanzan 593 von Prinz Hachiko, dem Sohn des damaligen Kaisers Sushun, als religiöses Zentrum eröffnet wurde.

Traditionell gingen Pilger zuerst zum Berg Haguro, bevor sie sich auf den Weg zum Berg Gassan und schließlich zum Berg Yudono machten. Die beiden letzteren sind den größten Teil des Jahres (Mitte Oktober bis Juni) mit Schnee bedeckt und daher für Pilger und Besucher nicht zugänglich. Daher wurde ein Schrein auf dem Berg Haguro errichtet, der das ganze Jahr über zugänglich ist. Er dient als Kultstätte für die Gottheiten aller drei Berge.

Dieser Schrein ist der Sanjin Gosaiden, das größte Holzgebäude mit Strohdach in Japan und ein weiterer mit zwei Sternen ausgezeichneter Schatz, der im Michelin Green Guide Japan vorgestellt wird.

Die heutige Struktur stammt aus dem Jahr 1818, aber die Ursprungsgeschichte reicht viel weiter zurück. Wenn man sich das beeindruckende, über zwei Meter dicke Strohdach ansieht, kann man sich gut vorstellen, wie schwer wohl Reparaturarbeiten sein müssen.

Auf dem Berg Haguro gibt es eine Reihe von Tempeln und Schreinen, obwohl es sich eigentlich um einen Schreinkomplex handelt. Es zeigt wunderbar, dass Buddhismus und Shintoismus miteinander verflochten waren, bevor die beiden Religionen bei der Meiji-Restauration in Japan gewaltsam voneinander getrennt wurden.

In der Nähe des Ideha-Kulturmuseums befindet sich ein großes Tor, welches den Eingang zum Wanderweg den Berg hinauf kennzeichnet. Der Weg führt zuerst in ein kleines Tal, wo es einen kleinen Wasserfall (Suga-no-taki) und einen Schrein gibt. Außerdem befindet sich dort auch eine hübsche rot lackierte Brücke namens „Shinkyo“ oder auch Gottesbrücke. Für gewöhnlich führen Pilger hier eine Reinigung durch, bevor sie über die Brücke gehen, die den Eingang zum heiligen Bereich des Berges Haguro markiert.

Ein kurzer Spaziergang bringt dich zu einer Jahrhunderte alten Holzpagode und in der Nähe gibt es auch einen Zedernbaum, der angeblich 1.400 Jahre alt ist. Er ist durch ein heiliges Seil gekennzeichnet. Eigentlich gab es zwei von ihnen und sie wurden als "Paar" angesehen, aber einer wurde leider durch einen Blitz zerstört. Der verbleibende Baum steht stolz umringt von seinen jüngeren Verwandten, die „nur“ einige hundert Jahre alt sind.

Kerstin Yamane

Kerstin Yamane @kerstin.yamane

German girl, who loves to travel around Japan, especially with small local trains in rural areas.